Unsere erste Nachtübersegelung mit Baby
- Carola Schmid
- 5. Apr. 2024
- 4 Min. Lesezeit
Nachdem am Donnerstagabend alle Arbeiten an Bord erledigt waren, war geplant am Freitag noch eine Nacht in Portofino zu verbringen um dann anschliessend am Sonntag weiter in den Süden zu segeln. Wie man als Segler weiss, planen kann man viel, jedoch entscheidet letztendlich das Wetter vieles mit. Die Schlechtwetterfront hielt an somit war die Frage hinfällig und wir entschieden uns Portofino am Samstag mit dem öffentlichen Verkehr zu besuchen. Am Freitag war wieder ein Tag mit beinahe Dauerregen und wir nutzten die trockenen Stunden für die Erkundung von Rapallo. Am morgen gingen wir an den Markt um frisches Gemüse zu kaufen. Auf dem Weg zurück zum Boot entdeckten wir eine Pasticceria, wo wir uns noch mit unterschiedlichsten frischen Pastasorten eindeckten.

Sensationelle Spinat Trofie Pasta.
Zurück auf dem Boot mussten wir noch eine kurze Rettungsaktion einleiten, da uns Kiano ziemlich schnell darauf aufmerksam machte, dass Monkey Monk vermisst wird. Somit machte sich Mama zügig auf den Weg zurück in das japanische Restaurant, wo wir zu Mittag gegessen haben, um Monkey Monk zu retten.

Hier auf dem Bild zu sehen Monkey Monk.
Zurück auf dem Boot fing es dann auch wieder an zu schütten. Pascal sortierte alle seine Stromsachen zusammen und das ist nicht gerade wenig, während ich mit Kiano die erfolgreiche Rettung von Monkey Monk feierte. Am Nachmittag bei einer kurzen Aufhellung erkundeten wir dann noch gemeinsam die Gassen in Rapallo und genossen am Abend sensationelle Linguinis mit einem ligurischen Kaninchenragout, welches wir in der Pasticceria gekauft haben.

Spaziergang durch die romantischen Gassen in Rapallo.
Nachdem Abendessen setzten wir uns mit Seekarte, unterschiedlichen Wetterradarapps und dem "Italian Water Pilot" an den Tisch und nahmen uns Zeit für die weitere Törnplanung. Aufgrund der Wettervorhersage entschieden wir uns beide, dass wir eine Nachtübersegelung von Samstag auf Sonntag nach La Spezia planen werden. Ab Sonntag morgen kommt die nächste Front mit 30 Knoten Wind und Gewitter und dann wäre an Ablegen vor Dienstag, 02. April 2024 ziemlich sicher nicht zu denken. Und wir brauchen definitiv endlich Wärme und Sonne. Somit ging es anschliessend in die Koje und wir freuten uns beide, dass morgen Samstag, 30. März der allererste Tag seit wir in Sanremo am 15. März angekommen sind, sein wird an dem wir als kleine Familie den ganzen Tag gemeinsam mit einem Ausflug geniessen dürfen. Es geht nach Portofino.

Kiano half bei der Törnplanung mit und hat sich als Logbuchführer freiwillig gemeldet.
Frisch und munter sind wir am Samstag ohne Regen und minimal Sonne in den Tag gestartet. Wir haben unsere sieben, wobei mit Kiano wohl eher mindestens 15 Sachen gepackt und haben uns auf den Weg zur Bushaltestelle begeben. Wir mussten anschliessend in St. Margeritha umsteigen, um von da dann direkt nach Portofino zu kommen und da wurde uns bewusst, dass es das Osterwochenende ist. Die Strassen waren überfüllt und an der Bushaltestelle drängten sich bereits Menschenmassen in einen Bus, man könnte meinen es ist der letzte Bus bevor hinter uns die Welt zusammenbricht.

Enges Gedränge im Bus von und nach Portofino.
Da müssen wir wohl auch durch und in Portofino angekommen, haben wir uns gefreut die Reise auf uns genommen zu haben. Wobei wir einiges lieber mit unserer Alegre im Hafen in Portofino liegen würden, dieser war jedoch aufgrund des Wetters geschlossen und auch keineswegs zu empfehlen gewesen. Wir würden sagen, es war die Reise wert, jedoch würden wir wohl beim nächsten Mal auch die Feiertage im Auge behalten.

Es gibt auch ruhige Gassen in Portofino. Wer würde da denken, dass es das Osterwochenende ist.

Der Ausflug nach Portofino hat sich auf alle Fälle gelohnt.
Zurück auf dem Boot erfreuten wir uns der Ruhe und kuschelten gemeinsam eine Runde. Nachdem frühen Abendessen gingen wir gemeinsam mit Kiano um 19.15 Uhr zu Bett, da für uns beide um 01.00 Uhr Tagwache ist um Rapallo hinter uns zu lassen und uns auf den Weg nach La Spezia zu machen. Wir verliessen Rapallo um 01.22 Uhr bei leichtem Regen und 6 Knoten Wind. Nach Vorhersage sollten wir angenehme 12 Knoten aus Nordosten haben und somit einen schönen Halbwindkurs nach La Spezia. Eingetroffen sind 15 Knoten Wind aus Südosten, für den Rheintaler "voll uf d'Schnorra" und 1.5 - 2m Wellen. Uns blieb keine andere Wahl als Motor an und voraussichtlich 6 - 7 Stunden nach La Spezia zu "tuckern". Kiano hat in seiner Koje, welche sich direkt neben unserem Motor befindet, geschlummert wie ein Baby. Abgesehen von seinen Heisshungerattacken in der Nacht.;)

Irgendwann mitten in der Nacht...

...und am Morgen in der Dämmerung. Wohlauf und zufrieden.
Sonntagmorgen um 09.00 Uhr sind wir dann in La Spezia eingelaufen. Da wir ein Baby an Bord haben, war nichts mit schlafen, sondern es wurde der Kinderwagen ausgepackt und wir suchten eine Bistro auf wo wir uns einen leckeren Cappuccino gönnten. Übrigens hielten wir Ausschau nach einem Marina Shop der allenfalls geöffnet ist, da es bei der Überfahrt gegen 07.00 Uhr auf einmal einen riesigen Knall gab und unser Radarreflektor in ca. 30 Teile an Deck zerberstete. Wir waren auf alle Fälle hellwach, bis auf Kiano der hat kein Mucks gemacht. Wie man liest, langweilig wird es uns nicht so schnell. Zurück auf dem Boot kochten wir uns ein Mittagessen und anschliessend genossen wir alle drei einen 90 minütigen Mittagsschlaf in unseren Kojen. Frisch und erholt, widmeten wir uns am Nachmittag der weiteren Törnplanung. Es war wieder Starkwind und Regen vorausgesagt und wir entschieden uns frühstens am Dienstag weiter der toskanischen Küste entlang zu segeln. Geplant war dann am Montag ein Ausflug nach Vernazza, jedoch erinnerten wir uns rasch an den Ausflug nach Portofino zurück und merkten, dass wohl Ostermontag nicht der beste Tag sein wird für einen Trip an die Cinque Terre. Da das Wetter auch am Dienstag nicht nach einem Segeltag aussah, planten wir vorläufig bis Mittwoch in La Spezia zu bleiben. Dann hiess es für uns den Sonntag einfach noch gemütlich auf dem Boot gemeinsam ausklingen zu lassen. Wir genossen den Regen, welcher auf die Luken prasselte und den Wind der die Falle im Hafen an die Mäste schlägt. Gleichzeitig schwelgten wir in Erinnerung und blickten auf zwei unbezahlbare, unglaublich und unvergessliche Wochen zurück. Was uns beiden ein noch grösseres Lächeln ins Gesicht zauberte, ist dass wir noch 24 weitere, abenteuerliche und zauberhafte Wochen vor uns haben.

Im Hintergrund La Spezia.
Bis dahin "Servus und Tschüss".




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